Zupfmusik in Finnland

Berichte
Jouni Koskimäki Zupfmusiker Finnland Mandoline
Jouni Koskimäki

Zupfmusiker aus aller Welt – Finnland Jouni Koskimäki, der Allroundmusiker

J    = Jouni

ZK = Zupferkurier

 

ZK           Jouni, wie sind Sie zur Mandoline gekommen?

J              Vor 47 Jahren gab es ein riesiges Rockfestival in Finnland, Ruisrock in der Stadt Turku. Das habe ich im Radio im Sender YLE 1 mitbekommen. Da hörte ich zum ersten Mal elektrische Mandoline. Diese Band, die englische Gruppe Fairport Convention, war so großartig, sie inspirierte mich ungeheuer. Daraufhin kaufte ich meine erste Mandoline und begann zu spielen. Ich lebe in Mittelfinnland und in meiner Gegend beschäftigt sich kein Mensch mit Mandoline. Ich stand völlig alleine da. Nur Schallplatten waren meine Begleiter. Aber ab diesem Zeitpunkt übte ich finnischen Folkrock. Ich hatte zuvor einige Jahre Gitarre gespielt und übertrug die Technik auf die Mandoline im Eigenstudium. Dabei habe ich auch die Akkorde herausgefunden.

Im Laufe der Jahre wuchs mein Enthusiasmus für die Mandoline. So gründete ich vor 10 Jahren ein Mandolinenorchester. Es gab zwar einige, die bestanden jedoch aus älteren Volksmusikern. An meiner Universität in Jyväskylä (Hauptstadt in Mittel-Finland), an der ich seit 1982 Komposition und Arrangement unterrichte, viele Bands anleite – ich habe so viele verschiedene Aufträge gehabt, dass es geradezu crazy ist.

Ja dort also gründete ich ein Mandolinenorchester mit dem Namen Mandolin Mountain MaMo.

ZK           Ah, das ist das Bild auf Deinem T-Shirt!

Jouni Koskimäki Zupfmusiker Finnland Mandoline
Jouni Koskimäki

Ehrlich gesagt, es ist das beste finnische Mandolinenorchester. Wir haben auf dem Eurofestival vor vier Jahren gespielt. Wir kamen in einen gewaltigen Flow, so dass das Publikum nach Zugabe schrie.

ZK           Das ist strikt verboten!

J              Ja es war auch verboten, aber die Leitung sagte: „Go and play!“ Es war unglaublich!

Ich zeige Dir ein Foto von meinem Mandolinenorchester. Es ist sehr hübsch.

 

Mandolin Mountain Zupforchester Zupfmusiker Finnland Mandoline
Mandolin Mountain 2

Die Mitglieder sind zu über 60 Prozent junge Frauen zwischen 20-30 Jahren. Großartige Spielerinnen!

Wir haben in Spanien, Deutschland und Estland gespielt. Meine Musikfreunde stelle immer dieselbe Frage: „Wie kann ich Mitglied werden in diesem Orchester?“

ZK           Und wie habt Ihr die Touren finanziert?

J              Zum Teil hat uns die Universität hat uns gesponsort, zum Teil eine Kultur Stiftung und zum Teil Eigenfinanzierung.

Vor zwei Wochen hatten wir ein großes Jubiläum und ich habe drei Stücke für einen wunderbaren Chor geschrieben - für Chor und Mandolinenorchester.

ZK           Und wie sieht es mit der Mandoline in Finnland im Allgemeinen aus?

J              Die Mandolinenszene begann 1983 zu wachsen. Da wurde an der Sibelius-Akademie in Helsinki das Folk-Music Department installiert. Dort werden professionelle Folk-Music Spieler ausgebildet – die jedoch nicht nur Folk-Music spielen. Sie schaffen neue Musik.

ZK           Also unter dem Dach der Folk-Music kann auch Klassik gespielt werden?

J              Ja natürlich! Sie können dort alles spielen. Es ist das höchste Niveau, wie an Eurer Musikhochschule. Das Studium der Mandoline geht über 6 Jahre. Es ist der einzige Platz, wo man Mandoline als Hauptinstrument studieren kann. Es gibt allerdings nur etwa 10 Studenten.

ZK           Wie ich gerade von Marga Wilden-Hüsgen hörte, hat man an allen europäischen Ausbildungsstätten zwischen 7 und 15 Studierende.

Jouni Koskimäki Zupfmusiker Finnland Mandoline
Jouni Koskimäki

J              Eine Sache muss ich Dir noch über die Mandolinenszene erzählen, die sehr schön ist. Wir haben herausragende Mandolinenbauer!

ZK           Bauen Sie Flachbauch- oder Neapolitanische Mandolinen?

J              Hauptsächlich Flachbauchmandolinen. Aber sie bauen ihren eigenen Stil – wie in Amerika zum Beispiel Monteleone. Ein guter Freund von mir ist der Leiter der Mandolinenausbildung seit 1984. Er hat eine Methode entwickelt, wie man sehr gute Mandolinen bauen kann: Mit dem so genannten Heating System. Dabei wird das Holz über sechs Stunden bei 300° C erhitzt. 

Mit diesen sechs Stunden erreichst Du auf einmal 100 Jahre und der Ton des 100 jährigen Holzes erklingt perfekt! Man muss sehr sorgfältig darauf achten, dass das Holz nicht anbrennt. 60 Prozent der Mitglieder meines Orchesters spielen auf solchen ausgezeichnet handgemachten Instrumenten.

ZK           Wie kamt Ihr auf den Namen Eures Orchesters „Mandolin Mountain“?

J              (Lacht lange) Wenn Du davon eine Abkürzung machst, dann kommt MAMO heraus. Dies hat eine doppelte Bedeutung in Finnland. MAMO bedeutet ein höchst gehemmtes Kind, welches keine eigene Entscheidung treffen kann. Es steht zu sehr unter dem Einfluss der Eltern. Es ist kein nettes Wort, wenn Du zu jemandem sagst: „Du bist mamo!“ – ein bisschen doof.

Jouni Koskimäki Zupfmusiker Finnland Mandoline
Jouni Koskimäki

ZK           Kennst Du Calace?

J              Ja. Er ist für die Mandoline so wichtig wie für die Orgel Bach. Ich habe einige Blätter mit Calace-Noten. Aber keine Zeit, Calace zu spielen……….. (lacht).

BILDER

© T.Fitzner

Außer Orchester 1-3  Jouni Koskimäki

Jouni Koskimäki Zupfmusiker Finnland Mandoline
Jouni Koskimäki mit Marijke und Michiel Wiesenekker (Eurofestival Zupfmusik)
Mandolin Mountain Zupforchester Zupfmusiker Finnland Mandoline
Mandolin Mountain 1
Mandolin Mountain Zupforchester Zupfmusiker Finnland Mandoline
Mandolin Mountain 3
Alle Fotos in diesem Beitrag: Copyright Dr. Thilo Fitzner
Ausser Bilder von Mandolin Mountain 1 - 3
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