Gemein­schafts­kon­zert BZO & JZO in Ettlingen

Neue Seiten auf vielen Saiten hörbar gemacht

Badisches Zupfor­ches­ter und Jugend­zupf­or­ches­ter des Landes gehen in Ettlingen neue Wege

Auf der Bühne: Blech. Holz, ein paar Nylon­sai­ten von den Gitarren und sehr viele Stahl­sai­ten, denn wo die Gitarre sich mit sechs Nylons begnügt, rekla­miert die Mandoline acht stählerne Saiten für sich. Sie ist halt kleiner als die Gitarre und muss deswegen etwas dominan­ter auftreten? Ach was, das hat das Instru­ment gar nicht nötig, denn so schön silbrig zirpen, das kann nur sie, und das genügt fürs AlleinStellungsmerkmal. 

Apropos „allein“: Die Mandoline liebt die Gemein­schaft, denn im Chor klingt sie am besten und erweist sich als ein Instru­ment mit flexiblem Ton und zu diffe­ren­zier­ter Klang­ge­stal­tung sehr gut geeignet.

Das Konzert des von einem Bläser­en­sem­ble unter­stütz­te Gemein­schafts­en­sem­ble aus Badischem Zupfor­ches­ter und dem Jugend­zupf­or­ches­ter Baden-Württem­berg in der Schloss­gar­ten­hal­le Ettlingen war da nur eine Bestätigung. 

Das gut besuchte Konzert begann mit einer Selten­heit, dem 1. Satz aus der 3. Symphonie der Französin Louise Farrenc. Schon zu ihrer Zeit, dem 19. Jahrhun­dert, war sie als Kompo­nis­tin ein Kuriosum. Kompo­nie­ren war damals was für Männer. Sie ist ein Name für Spezia­lis­ten geblieben, obwohl sie, man hörte es, eine Begabung für Melodie und ihre Ausge­stal­tung hatte. 

Unter der Leitung von Jan-Paul Reinke brach das Ensemble eine Lanze für Farrenc und weckte Neugier auf ihre Musik. Das Ensemble war gut aufge­stellt: Feine Schat­tie­run­gen der Dynamik, also der Lautstar­ken­ver­hält­nis­se, geben der Inter­pre­ta­ti­on ihre Form. Wenn die Mando­li­nen tremo­lie­ren. also auf einer Note schnelle Wieder­ho­lun­gen spielen, dass der Eindruck entsteht, es wäre ein zusam­men­hän­gen­der Ton, dann wird dadurch die Illusion erzeugt, sie könnten die Lautstär­ke dieses Tons während seines Erklin­gens ändern. Blasin­stru­men­te können das, Saiten­in­stru­men­te eigent­lich nicht: einmal gezupft bleibt der Ton seinem von der Natur bestimm­ten Verlauf treu und verklingt nach den Gesetzen der Akustik.

Zur Mitte des Konzerts wurde der Arnold-Sester­heim-Preis an die begabten Nachwuchs­gi­tar­ris­ten Chris­tia­ne Amato und Luis Peixoto Cordeiro verliehen. Beide zeigten sich mit ihren Inter­pre­ta­tio­nen von Tärregas „Caprichio ärabe“ und Dyens „Tango en Skai“ als würdige Preisträger.

Faszi­nie­ren­de Klänge in der zweiten Hälfte: Silvan Wagners sich auf den Pandora-Mythos bezie­hen­des Werk „Pandoras Harfe“ unter der Leitung von Isabel Gonzales Villar war ein Beispiel dafür, wie sich der gern als „lieblich“ apostro­phier­te Klang der Mandoline sich ins Gespens­ti­sche verwan­deln kann, indem man das oben beschrie­be­ne Tremo­lie­ren unter­lässt und dem nackten, kurzen Ton die Musik überlässt. Allemal eine Seite
des Instru­ments, die es eben auch hat — und eine faszi­nie­ren­de noch dazu. Ein Ausflug in die erzäh­le­ri­sche Musik, wie man sie vielleicht von Filmen kennt, war das finale „Extra­blatt II“ das sich auf politi­sche Verhält­nis­se, beispiels­wei­se im Iran oder den USA bezog. Langer Applaus am Ende, die Musiker gewährten dem Publikum eine Zugabe.

Von Jens Wehn, Quelle: Badische Neuste Nachrich­ten (BNN) | bnn.de

(Lizenz 97–2024)

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