schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg

100 Jahre Mandolinenorchester Lyra Solingen

Drei Zupforchester taten sich im November zu einem denkwürdigen Festkonzert im rheinisch-bergischen Solingen zusammen Das dortige Mandolinenorchester „Lyra“ feierte sein hundertjähriges Bestehen. Die Teilnahme des Zupforchesters Villingen-Schwenningen hatte besondere Gründe.

Die Vorsitzende des baden-württembergischen Zupforchesters, Anita Reichmann, ist aus dem Solinger Orchester hervorgegangen, in dem auch Mitglieder ihrer elterlichen Familie musizieren. Aus diesem Grunde war das Ensemble aus Villingen-Schwenningen zusammen mit einem französischen Zupforchester aus dem südlichen Burgund zu dem Festkonzert im Theater- und Konzerthaus in Solingen eingeladen worden. Mit den Franzosen pflegen die Solinger Musiker schon seit über 40 Jahren musikalische Kontakte im Rahmen einer Städtepartnerschaft. Das Zupforchester Villingen-Schwenningen war nun der Dritte im Bunde und bewirkte beim Zusammenspiel aller drei Ensembles, dass da wieder ein großer Klangkörper mit rund 60 Mitwirkenden wie zu den besten Zeiten der Zupforchesterbewegung entstand.

Jedes Orchester leistete im Konzert- und Theaterhaus Solingen seinen eigenen Konzertbeitrag und hatte darüber hinaus je ein gemeinsames Stück vorgeschlagen, das die Orchester zu Hause schon einstudieren konnten. Das französische Orchester aus Chalon-sur-Saône, das schon vor 120 Jahren entstanden war, hatte sich für eine Ouvertüre des deutschen Zupfmusik-Pioniers Konrad Wölki entschieden, dessen Gesamtwerk in der Trossinger Bundesakademie archiviert ist. Der Beitrag der Solinger Jubilare war ein Stück von Giuseppe Frendo aus der Mandolinen-Romantik Ende des 19. Jahrhunderts. Vom Zupforchester Villingen-Schwenningen kam als belebender Kontrast dazu die schwungvolle japanische Klassik-Pop-Mixtur „Surfing Johnny“, die im Festkonzert von Frank Scheuerle dirigiert wurde. Der leitet neben dem VS-Orchester auch noch das Mandolinenorchester in Schramberg, von dem einige Gitarren- und Mandolinenspielerinnen zur Verstärkung mit nach Solingen gekommen waren.

Im Einzelvortrag bot das gastgebende Orchester die „Europäische Suite“ von Konrad Wölki und ein Mandolinenkonzert von Pietro Pellegrini. Das Zupforchester „Chalon-Estudiantina“ wartete mit lateinamerikanischer Folklore, der Irischen Folk-Suite von Manfred Flachskampf und einem Medley aus populären Melodien der Unterhaltungsmusik auf. Dazwischen ließ das Remscheider Quartett „Saitenwind“ aus Block- und Traversflöten sowie Gitarren barocke Kammermusik hören. Einer der Gitarristen dieses Ensembles ist der Dirigent des Orchesters „Lyra“ Solingen, Marco Schmidt.

Der Beitrag des Zupforchesters Villingen-Schwenningen bestand aus der Fuge a-Moll von Johann Sebastian Bach, die Inge Kälberer eingerichtet hat, der Suite „Jugoslavija“ von Ralph Paulsen-Bahnsen mit vielen ungeraden Taktmaßen, der im spanisch-katalanischen Kolorit gehaltenen Komposition „Barcelona, mi amor“ von Alexander König-Ossadtschi, deren Uraufführung das Orchester aus Villingen-Schwenningen schon im Sommer bei einem Kirchenkonzert in Schiltach im Schwarzwald besorgt hatte. Die Zugabe mit dem „Wild Cat Blues“ und Dirigent Frank Scheuerle als Mandola-Solist kam besonders gut an.

Neben dem großen Festkonzert boten ein Festabend und Besuchsprogramme unter anderem zum nahen Neanderthal-Museum bei Düsseldorf reichlich Gelegenheit zu deutsch-französischen Begegnungen, die sicherlich zu weiterem musikalischem Austausch führen werden.                                                                  

Jörg Tisken

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