schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg
Verband_Vereine_Orchester
Lehrgaenge_Wettbewerbe
Unterricht_Instrumente
Konzerte_Termine

Wer ist's? 03/2011

1103-raetsel
„Er war der erste britische Komponist, der die Aufmerksamkeit von Musikern und ihrem Publikum nicht nur zu Hause, sondern weltweit erringen konnte“ – so die Times in ihrem Nachruf. Und doch blieb er in seiner Heimat zeitlebens ein Außenseiter – schließlich war er nicht nur Pazifist und Sozialist, sondern auch homosexuell.

Zu komponieren hatte er bereits mit fünf Jahren begonnen, mit 14 ging er bei Frank Bridge in die Lehre, den man außerhalb Englands vor allem aufgrund der Variations on a Theme of Frank Bridge seines berühmten Schülers kennt. 1933 lernte er den Dichter W.H. Auden kennen, der ihn u.a. politisch stark beeinflusste und dem er zusammen mit seinem Lebensgefährten, dem Tenor Peter Pears, 1939 in die USA folgte.

1942 nach England zurückgekehrt, entstand mit Peter Grimes die erste seiner zahlreichen Opern, die sich meist mit dem Schicksal gesellschaftlicher Außenseiter beschäftigen, wie etwa auch Billy Budd (H.Melville). 1948 gründete er das Aldeburgh Festival, das u.a. die Vermittlung von Musik an Laien zum Ziel hat. Seine letzte Oper, Death in Venice nach Thomas Mann, schrieb er für dieses Festival. Weitere Beispiele für sein Engagement für Laien sind z.B. die Kinderoper The little Sweep (Let’s make an Opera) und The Young Person’s Guide to the Orchestra, eine Variationenfolge über ein Thema des von ihm verehrten Henry Purcell, die für die Schulfilmabteilung der BBC entstand. Dieser immer wieder gepflegte Traditionsbezug, den ihm die Avantgarde ankreidete, fand seinen Niederschlag auch in dem auf Bitten von Julian Bream komponierten Nocturnal after John Dowland für Gitarre.

Eines seiner wohl eindrücklichsten Werke ist das War Requiem von 1961. Uraufgeführt anlässlich der Einweihung der neu errichteten Kathedrale von Coventry – die alte war im November 1940 bei einem deutschen Luftangriff mit dem unsäglichen Codenamen „Operation Mondscheinsonate“ zerstört worden –, ist es eine klingende Antikriegserklärung des Komponisten. Es verbindet den lateinischen Text der römisch-katholischen Totenmesse mit Gedichten des englischen Dichters Wilfred Owen, der wenige Tage vor Ende des Ersten Weltkriegs gefallen war: „Mein Thema ist der Krieg und das Leid des Krieges. Die Poesie liegt im Leid … Alles, was ein Dichter heute tun kann, ist: warnen.“

Christopher Grafschmidt

Auflösung

 
logo_blue
Impressum