schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg

Wer Ist's 2019-01

Geboren wurde er 1732 in Niederösterreich und begann seine Karriere als Chorknabe am Wiener Stephansdom, wo er Gesangs-, Klavier- und Violinunterricht erhielt. Das Komponieren brachte er sich in dieser Zeit weitgehend selbst bei, inspiriert von einem höchst musikalischen Umfeld. Nach dem Stimmbruch verdingte er sich u.a. als Kammerdiener des Komponisten Nicola Porpora, als Musikdirektor des Grafen Karl von Morzin und schließlich ab 1761 als zunächst Vizekapellmeister der ungarischen Familie Esterházy, in deren Diensten er rund 30 Jahre bleiben sollte. Zu seinen Aufgaben zählten das Komponieren für den (nicht ganz) täglichen Bedarf, die Leitung des hauseigenen Orchesters, das gemeinsame Musizieren mit dem Fürsten sowie das Arrangieren von Opernproduktionen. Gewissermaßen von der Außenwelt abgeschnitten – „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden“ –, war es ihm dennoch erlaubt, auch für andere Auftraggeber zu schreiben, wodurch sich sein Bekanntheitsgrad stetig steigerte.

 

 

Zu seinen engen Freunden zählte Wolfgang Amadeus Mozart, wie er ein Freimaurer. 1781 schuf der Ältere sechs Streichquartette op. 33, die „auf eine gantz neue besondere Art“ gemacht waren – sie präsentierten in der neuartigen Sonatenhauptsatzform die sogenannte motivisch-thematische Arbeit, die nicht nur für die klassische Epoche grundlegend wurde – und auf die Mozart mit ebenfalls sechs Quartetten antwortete, die wiederum zu den Höhepunkten europäischer Kammermusik gehören.

 

Als 1790 Fürst Nikolaus von Esterházy starb, unternahm der Gesuchte zwei Konzertreisen nach England, die ein beispielloser Erfolg waren und einige seiner bekanntesten Werke zeitigten, darunter eine Sinfonie, die im Original den Namen „Surprise“ trägt. Überhaupt war er stets für musikalische Überraschungen und Scherze zu haben, ganz wie es seiner wohl ausgesprochen liebenswürdigen und humorvollen Persönlichkeit entsprach. So setzte er sich während einer nicht enden wollenden Sommersaison für den sehnsüchtigen Wunsch seines Orchesters nach Heimkehr mittels einer Sinfonie ein, bei der im abschließenden Adagio-Teil (schon dies ist ungewöhnlich genug) ein Musiker nach dem anderen die Kerze löscht und abgeht. Reaktion des Fürsten: „Ich habe verstanden. Morgen packen wir ein.“

 

Wieder in Wien sesshaft geworden, komponierte er noch zwei seiner großen Oratorien – das eine handelt von der Genesis, das andere vom Jahreslauf – sowie u.a. ein Streichquartett, dessen langsamer Satz Variationen seiner 1797 für das Heilige Römische Reich komponierten Hymne „Gott! erhalte Franz, den Kaiser“ bietet, die bereits 1841 mit dem von Hoffmann von Fallersleben gedichteten „Lied der Deutschen“ unterlegt wurde und die seit 1922 als Nationalhymne Deutschlands fungiert. Nichtsdestoweniger zierte sein Konterfei später diverse österreichische Geldmünzen und -scheine.

 

In seinen letzten Lebensjahren ließ ihn sein Körper zunehmend im Stich, auch wenn sein Geist (zu seinem Leidwesen) weiterhin unaufhörlich Musik produzierte. Er starb Ende Mai 1809, just als die Franzosen zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre Wien besetzten. Sein Leichnam wurde im Lauf der Jahrzehnte zweimal umgebettet, sein Schädel wiederum, der wenige Tage nach der Beisetzung gestohlen worden war und der durch viele Hände ging, konnte erst 1954 mit dem Rest der Gebeine wiedervereint werden.

 

Christopher Grafschmidt

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