schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg

Wer Ist's 2018-03

Da sich der Gesuchte stets bemühte, auch ein solcher zu bleiben, ist eigentlich nur sicher, dass nur weniges sicher ist. Adelig von Geburt, gab er sich in den Goldenen Zwanziger Jahren als junger Erwachsener in Paris und London dem Müßiggang hin. Zugleich folgte er jedoch seinen kulturellen Neigungen, pflegte etwa Kontakt zu französischen Surrealisten wie Henri Michaux und Salvador Dalí und studierte in den 1930er-Jahren u.a. bei dem Schönberg-Schüler Walter Klein atonale Kompositionstechnik. Den musikalischen Strömungen seiner italienischen Heimat entfremdete er sich darüber hinaus durch ausgedehnte Reisen nach Afrika und Asien. Eine psychische Krise in den späten 1940er-Jahren brachte auch seine kompositorische Tätigkeit vorübergehend zum Erliegen.

 

Anfang der 1950er-Jahre ließ er sich in Rom nieder, lebte vorwiegend zurückgezogen und erregte kaum öffentliches Interesse. Als überzeugtem Anhänger der Reinkarnationslehre (das aktuelle war demnach bereits sein drittes Leben) dürfte ihm schneller Ruhm ohnehin wenig bedeutet haben. Erst in den 1980er-Jahren gelangte sein musikalisches Schaffen zumindest in Deutschland zu größerer Bekanntheit. Er starb am 9. August 1988 in Rom, einen Tag nach seinem Wunschdatum …

 

Seine Werke der Nachkriegszeit entziehen sich sowohl hinsichtlich ihrer Entstehung als auch ihrer Machart gängigen Verfahren und auch klassischen Analysekriterien – bedingt durch die erwähnte Krise, die, wie er selbst berichtete, eine Folge seiner Beschäftigung mit traditionellen Kompositionstechniken war und aus der ihn nur eine eher unorthodoxe Eigentherapie befreien konnte: das „insistierende Anschlagen und Verklingenlassen eines einzigen Tones auf dem Klavier“ (Lexikon KdG). Hieraus entwickelte er ein „gänzlich auf Klang und Ton gerichtetes Schaffenskonzept“. Hinzu kam die Hinwendung etwa zu fernöstlichen Philosophien. Hörtipp: „Quattro pezzi su una nota sola“ (1959) für Orchester oder auch „Pfhat“ (1974) für Chor, Orgel und Orchester.

Und noch etwas irritiert (immer noch) die Zunft und wohl auch die Hörer: Er selbst sah sich lediglich als Medium, zeichnete spätestens seit den frühen 1950er-Jahren mit dem Tonbandgerät seine Improvisationen auf, die dann von anderen Komponisten übertragen (und vielleicht auch ausgearbeitet) wurden – ein glatter Traditionsbruch, vergleichbar den Zufallsoperationen seines Zeitgenossen John Cage (siehe Zupferkurier 1/2018). Zu diesem Eliminieren seiner Persönlichkeit aus dem Werk passt, dass es von ihm bis zu seinem Tod kaum Fotografien gab und er selbst stattdessen ein aus einem Kreis und einer darunterliegenden Geraden bestehendes Zeichen verwendete (wahlweise interpretierbar als Zen-Symbol, als Sonne über dem Horizont oder als unterstrichene Null).

 

Wie dem auch immer sei: Es gibt immerhin ein Werk für Gitarre, „Ko-Tha“, wobei die Gitarre hier als Schlaginstrument verwendet wird, sowie, man höre und staune, eines für Stimme und Mandoline (ein Interpret): „CKCKC“.Christopher Grafschmidt

 

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