schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg

Wer Ist's 2018-02

Geboren wurde er 1809 in Hamburg als zweites Kind einer bürgerlichen jüdischen Familie. Sein Vater war Bankkaufmann, sein Onkel Moses ein namhafter Philosoph. 1816 wurden alle vier Kinder, nunmehr in Berlin lebend, protestantisch getauft, woraufhin ihr Nachname einen „christlichen“ Zusatz erhielt. Nichtsdestoweniger wurde der Gesuchte, wie so viele andere, in dem 1940 erschienenen „Lexikon der Juden in der Musik“ wegen „Verseuchung der deutschen Musik“ an den Pranger gestellt, mehrere Denkmäler (u.a. in Leipzig) waren bereits 1936 von den Nazis entfernt worden. NB: Letztere Nacht- und Nebelaktion der Nazis bestätigte Carl Goerdeler – seinerzeit Oberbürgermeister von Leipzig, der daraufhin von seinem Amt zurücktrat – in seiner zunehmenden Widerstandshaltung gegen das „Dritte Reich“.

 

 

 

Ersten Musikunterricht erhielten der Gesuchte und seine ältere Schwester (sie war bereits Gegenstand eines Zupferkurier-Rätsels) von der Mutter, deren Mutter wiederum eine Enkel-Schülerin Johann Sebastian Bachs gewesen war. Später wurden sie u.a. von Carl Friedrich Zelter in Komposition unterrichtet. Ab 1820 ist bei dem Gesuchten eine rege Kompositionstätigkeit nachweisbar, mit 17 Jahren schrieb er die Ouvertüre zu einer Komödie William Shakespeares (die vollständige Bühnenmusik folgte erst 1842), die immer noch zu seinen bekanntesten Werken zählt.

 

Er unternahm mehrere lange Reisen innerhalb Europas, allein zehnmal nach England, wo er u.a. seine beiden großen Oratorien dirigierte. Eine Schottland-Reise inspirierte ihn sowohl zu einer Konzert-Ouvertüre als auch zur dritten seiner fünf Sinfonien. Richard Wagner, der später nicht unwesentlich zu seiner Verunglimpfung beigetragen hat, nannte ihn daraufhin einen „erstklassigen Landschaftsmaler“ – und das war er im doppelten Sinne, dokumentierte er doch seine Reisen auch mit zahlreichen bemerkenswerten Zeichnungen.

 

Ab 1835 hatte er die Leitung der Leipziger Gewandhauskonzerte inne, bis er 1841 von König Friedrich Wilhelm IV. als Kapellmeister wieder nach Berlin berufen wurde. In dieser Zeit entstand u.a. sein Violinkonzert, das heute zu den meistgespielten Werken dieser Gattung zählt. 1843 gründete er die erste Musikhochschule Deutschlands; seit 1972 trägt sie auch seinen Namen. Bereits zuvor hatte er einen Chor gegründet, der sich den Werken Johann Sebastian Bachs widmete. 1829 läutete er mit der ersten Aufführung der seit Bachs Tod wie ihr Schöpfer in Vergessenheit geratenen Matthäus-Passion die Renaissance des großen Barockkomponisten ein, die bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden ist. Darüber hinaus war er einer der führenden Pianisten (und auch Organisten) seiner Zeit sowie einer der ersten Dirigenten, der den Taktstock benutzte und konsequente Probenarbeit betrieb.

 

Christopher Grafschmidt

 

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