schriftzug-Bund deutscher Zupfmusiker - Verband Baden-Württemberg

Nadia BoulangerWer Ist's 2017-02

Sie stammte aus einer traditionsreichen Pariser Musikerfamilie. Ihre Mutter, eine russische Adlige, war Sängerin, ihr Vater Komponist, Dirigent und Gesangslehrer. In ihrem Elternhaus verkehrten Größen der französischen Musikszene wie Charles Gounod, Jules Massenet und Camille Saint-Saëns. Nach ersten Studien bei ihrem Vater (Orgel und Komposition) im Kindesalter nahm sie später Unterricht u.a. bei Louis Vierne sowie bei Charles-Marie Widor am Pariser Konservatorium. 

1903, im Alter von 16 Jahren, wurde sie stellvertretende Organistin von Gabriel Fauré an der Kirche La Madeleine. Es folgten die ersten Preise auf allen Gebieten, darunter 1908 der 2. Preis im Grand Prix de Rome – ihr Vater war hier 1834 schon erfolgreich gewesen, ihre jüngere Schwester Lili gewann den renommierten Preis 1913 als erste Frau. Ab etwa der Zeit des Ersten Weltkriegs widmete sie sich mehr der Musikpädagogik und mit dem Hauptaugenmerk auf alter wie zeitgenössischer Musik der Orchesterleitung, auch um die Werke ihrer früh verstorbenen Schwester nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Als gestrenge Kompositions-, aber auch Klavierlehrerin wurde sie zu einer Institution. Bevor einer ihrer Schüler mit der musikalischen Tradition brach, erwartete sie von ihm die vollständige Kenntnis derselben. Philipp Glass: „Ihre Pädagogik war gründlich und erbarmungslos. Aus einem jungen Mann mit sechsundzwanzig Jahren wurde wieder ein Kind, welches alles von Anfang an neu erlernte.“ Durch ihre Schule gingen so individuelle Künstler wie Grazyna Bacewicz, Elliott Carter, Aaron Copland, Quincy Jones, Wojciech Kilar, Dinu Lipatti, Astor Piazzolla und Antoni Wit. In ihrer Pariser Wohnung verkehrten u.a. Maurice Ravel, Arthur Honegger und Leonard Bernstein. Während des Zweiten Weltkriegs lebte sie in den USA, wo sie 1938 als erste Frau das Boston Symphony Orchestra dirigiert hatte. Gelegentlich unterrichtete sie auch an der Yehudi Menuhin School in Surrey/England. Ihre Verdienste wurden vielfach gewürdigt, u.a.: Chevalier der Ehrenlegion (1932), Ehrendoktorwürde der Musikakademie Warschau (1967), Order of the British Empire (1977). Sie starb im Alter von 92 Jahren in Paris.

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