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Takashi Ochi †

Ein Nachruf aus der (baden-württembergischen) Perspektive eines langjährigen Bewunderers

Unser hochgeschätzter Musikfreund und Meister des künstlerischen Mandolinenspiels, Takashi Ochi, ist nicht mehr. Er verstarb am 14. November 2010 im Alter von 76 Jahren an seinem Wohnort Heppenheim. Bei seiner Trauerfeier am 18. November gedachten ihm zahlreiche Freunde, Kollegen, Wegbegleiter und Vertreter des Bundes Deutscher Zupfmusiker sowie des saarländischen BZVS. Ein Ensemble ehemaliger Schüler – Klaus Wuckelt, Christian und Ane-Mari Randl – umrahmte würdevoll die Gedenkstunde.

Sein Wirken

Takashi Ochi wurde am 30. Oktober 1934 in Japan geboren. Nach Deutschland kam er am 19. August 1961 mit seiner Lehrerin Kinuko Hiruma auf Einladung des unvergesslichen Siegfried Behrend (1933-1990), um als Dozent gastweise an einem Fortbildungslehrgang des BZVS am Staatlichen Lehrgangsheim in Rehlingen zu wirken. Ochis Auftreten unter den deutschen Zupfmusikern wurde zu einem Ereignis. Es folgten Konzerte u.a. in Berlin. Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen (wie im Saarländischen Rundfunk bei Leo Clambour) wurden vereinbart; die anschließende Europa-Tournee mit Konzerten in Brüssel, Amsterdam, London, Paris, Genf, Rom und Neapel war ein riesiger Erfolg. Die vorgefundenen musikalischen Möglichkeiten bewirkten, dass aus seinem Besuch ein dauerhafter Aufenthalt in Deutschland wurde. Sicherlich war die junge Mandolinenspielerin Silvia Körner, die ihn bereits am dritten Tag seines Aufenthalts in Rehlingen kennen und schätzen gelernt hatte, bei dieser Lebensentscheidung nicht unbeteiligt – beide heirateten 1966.

Takashi Ochi blieb also als Musiklehrer und freischaffender Künstler im Saarland und unterrichtete an diversen Musikschulen. Sofort wurde ihm die Position des Konzertmeisters im Saarländischen Zupforchester übertragen, das Behrend und er zum führenden Orchester seiner Art machten. Dieselbe Funktion nahm er dann ab Gründung des Deutschen Zupforchesters 1968 ein, zusammen mit seiner Frau Silvia. Takashi Ochi war in den 1960er- bis 80er-Jahren der international herausragende Mandolinenvirtuose seiner Generation schlechthin. Als begehrter Kammermusikpartner begleitete er weltbekannte Gesangssolisten, wie Ingeborg Hallstein, Edith Matthis und Herrmann Prey. Seine Solopartien spielte er unter berühmten Dirigenten, wie Karl Ristenpart, Hans Zender, Paul Angerer, Friedrich Cerha, Bruno Maderna, Paul Kuentz, Iona Brown und anderen mehr. In seiner ungemein fruchtbaren Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftler und Organist Wilhelm Krumbach aus Landau wurden über zweihundert klassische Werke für Mandoline aufgeführt und eingespielt, die die Protagonisten zuvor häufig selbst in Archiven aufgespürt hatten.

Konzertreisen führten das Ehepaar Ochi nach Frankreich, Spanien, Schweiz, Nordafrika, Italien, Österreich, Tschechien, Jugoslawien, Ungarn, Schweiz, Schweden und immer mal wieder in die alte Heimat Japan. Besonders hervorzuheben sind auch die Konzertreihen mit dem Pariser Kammerorchester (P. Kuentz), dem Südwestdeutschen Kammerorchester (P. Angerer) und mit Wilhelm Krumbach am Cembalo. Ochis breites Repertoire der Solo- und Duoliteratur reichte von Renaissance über Barock bis Avantgarde und ist in über 40 Schallplatten und CDs bei Philips, Deutsche Grammophon, Polydor, Thorofon und japanischen und italienischen Labels verewigt.

Persönliche Erinnerungen

Meine erste Begegnung mit Takashi Ochi fand beim Bundesmusikfest des BDZ im Mai 1965 in Mannheim statt. Im Eröffnungskonzert hörte ich ihn bereits mit Beethovens Andante con variazioni für Mandoline und Cembalo glänzen. Im Kammerkonzert wurde unter seiner Leitung Heinrich Konietznys eigens zu diesem Anlass komponierte Kammermusik Nr. 1 uraufgeführt; außerdem spielte er dessen Widmungswerk Ochiana (ebenfalls aus Konietznys Feder kam das Ständchen mit der Solistin Silvia Körner zu Gehör). Der BDZ hatte sich 1963 als Bundesverband formiert und ließ ein durch zwei vorausgehende Lehrgänge zusammengestelltes Bundesjugendorchester im abschließenden Festkonzert auftreten. Unter Leitung von Willi Sommer aus Berlin und Fred Witt aus Dortmund hatten wir einen Festlichen Marsch von Hans Schmitt, die Canzona von Günter Braun und Witt‘s Katalanische Impressionen aufzuführen. Unmittelbar vor uns trat Takashi Ochi mit dem Mandolinenkonzert von Hasse und einem Präludium Raffaele Calaces auf. Als er im Frack, im sogenannten Schwalbenschwanz, an mir vorbei zum Auftritt marschierte, war ich noch guter Dinge und lächelte – doch nach seinem fulminanten musikalischen Feuerwerk hätte ich am liebsten gekniffen und meine Mandoline weggeschmissen.

Mein Trachten ging nun dahin, diesen Meister an meinem Heimatort Ötigheim zu präsentieren. Wie viele andere Orchester erfasste die allgemeine Aufbruchsstimmung der 1960er- und 70er-Jahre, die mit der Gründung des BDZ, der Einrichtung verschiedener Fortbildungskurse und Auswahlorchester – und nicht zuletzt dem ereignisartigen Auftreten Ochis – einherging, auch unser Dorforchester. Wir verstärkten die Ausbildung und bildeten 1966 (unter meiner Leitung) ein Jugendorchester. Auf meiner Mandoline übte ich – nach meiner subjektiven Einschätzung – nun Tag und Nacht; alle verfügbaren Tonträger aus der Zupfmusikszene wurden beschafft, um Anschluss an die Szene zu gewinnen.

Am 16. März 1968 war es dann endlich soweit, als ich Takashi Ochi und seine Ehefrau Silvia am Bahnhof in Karlsruhe nach vorausgegangener Auslandskonzertreise abholen konnte. Abends in der überfüllten Turnhalle präsentierte er die von ihm komponierte Fantasie Nr. 1, Harugakita von Jiro Nakano‚ die Partita in E-Dur für Violine solo von Bach sowie von Christian Gottlieb Scheidler eine D-Dur-Sonate mit dem Karlsruher Gitarristen Eberhard Worsech. Ochi musizierte mit unglaublicher Virtuosität gepaart mit stupender Technik. Erstmals hörten wir drei- und vierstimmiges Mandolinenspiel mit gezupften Passagen während eines durchgängigen Tremolos etc. – die technische Ausführung blieb für uns damals schleierhaft. Beim gemütlichen Beisammensein am nächsten Morgen in unserem fernöstlich eingerichteten Party-Keller verewigte er sich auf meine Bitte hin mit seinem japanischen Schriftzug auf einem Wandgemälde des Fujiyama-Berges. Besonderen Wert legte er darauf, sogleich den Tonbandmitschnitt des Vorabends intensiv und kritisch abzuhören und wies uns auf eine Passage hin, die seine unglaubliche Variabilität und Coolness bewies. Bei der Bach-Partita, die er wie alle anderen Werke auswendig vorgetragen hatte‚ hatte er eine Passage‚ an der er nicht weiter wusste, solange wiederholt und variiert, bis er den Übergang wieder fand. Wer das Werk nicht sehr gut kannte, hatte nichts bemerkt.

Zu meiner größten Überraschung erhielt ich kurze Zeit später vom unvergessenen BDZ-Bundesvorsitzenden Adolf Mößner die schriftliche Einladung, bei der anstehenden Gründung des Deutschen Zupforchesters unter der Leitung von Siegfried Behrend und mit meinem Idol am ersten Pult unter zahlreichen hoch qualifizierten Musikern aus dem Bundesgebiet mitzuwirken – die wohl größte Chance meiner musikalischen Laufbahn. Eine komplizierte Ellbogenverletzung machte sie leider zunichte. Im August 1968 passierten drei Dinge, die mich sehr berührten: Das DZO wurde in Ludwigshafen (ohne mich) und mit anschließendem Auftritt bei der Bonner Regierung gegründet, in Prag marschierte der Warschauer Pakt ein – und ich lag in der Orthopädie der Uni Tübingen und nässte mein Kopfkissen. Lebensberater sagen, alles berge etwas Positives; nachdem meine Ambitionen als Spieler jäh gebremst waren, widmete ich mich künftig mehr dem Musikmanagement im Verein, dem Verband und später dem Landesmusikrat.

 

Ein weiteres Schlüsselerlebnis für mich war die Begegnung mit Takashi Ochi beim Osterlehrgang des BDZ-Württemberg 1974 in der Evangelischen Akademie Bad Boll. Als Chauffeur von vier Mandolinenschülerinnen eingespannt, nahm ich ebenfalls am Lehrgangsablauf teil und konnte ihn als einfühlsamen Pädagogen erleben‚ wie er uns in der ersten Stunde überwiegend mit Lockerungsübungen und Vorschlägen zur Körperhaltung überzeugte und im Instrumentalunterricht die unterschiedlich Qualifizierten jeweils an ihrem momentanen Stand abholte und behutsam Vorschläge machte. Mit Hans Zimmermann aus Waldkirch-Kollnau, Volker Zeibig aus Freiburg, einem qualifizierten Gitarristen und mir, bildeten wir ein Quartett für zusätzliche abendliche Übungsstunden, die Takashi bereitwillig für das Abschlusskonzert künstlerisch betreute. Bei der Einstudierung von Ambrosius‘ Quartett in D-Dur und der Zaneboni-Sonate lernten wir seine Herangehensweise an für uns unbekannte Werke, deren Ausarbeitung, Phrasierung etc. kennen. Lehrgangsleiter Fred Witt legte uns zu später Stunde noch das Manuskript zu Rainer Glen Buschmanns Saitensprünge vor, was uns allerdings schnell unsere Grenzen aufzeigte (beim Bundesmusikfest zupfmusik ’74 berlin wurde das Werk dann von einem Lehrerensemble aus NRW uraufgeführt).

An der Bar wurde allabendlich noch Insiderwissen aus unserem Metier ausgetauscht und immer wieder beklagt, dass die Mandoline noch an keiner Hochschule im Hauptfach etabliert war. Hans Zimmermann etwa stand vor seiner Berufswahl (er studierte schließlich Gitarre bei Prof. Anton Stingl in Freiburg und wirkt seither erfolgreich als Pädagoge und Dirigent des Mandolinenvereins Kollnau). Dass dann 1979 in Wuppertal das Mandolinenhauptfachstudium möglich wurde, war nicht zuletzt dem künstlerischen Überzeugungsvermögen Ochis in den dort vorentscheidenden Konzertauftritten zu verdanken.

Als zum Bundeswettbewerb Jugend musiziert 1971/72 erstmals die Mandoline zugelassen wurde, war auch dies nicht zuletzt den überzeugenden Interpretationen und dem vorbildlichen Wirken Ochis zu verdanken. Eine bis heute für die Zupfmusiktalente im ganzen Bundesgebiet äußerst segensreiche Einrichtung war geboren. Auch in Baden-Württemberg wurde diese Möglichkeit wahrgenommen, und zwar vorwiegend in den Zupfmusik-Ballungsräumen Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Stuttgart und Göppingen. Beispielsweise das Ötigheimer Orchester schickte alles, was ein Zupfinstrument halten konnte, zur Regionalentscheidung im Februar 1972 im SDR-Studio Karlsruhe – in der dem Sport entlehnten Erwartung, wer die Nase irgendwie vorne habe, erhalte einen ersten Preis. Beim Abschlusskonzert der 1. Preisträger aller Sparten mussten wir feststellen, dass wir mit unseren 2. und 3. Preisen sowie zwei Lobenden Anerkennungen noch sehr gut bedient waren. 1975 aber konnte der Kulturredakteur der Badischen Neuesten Nachrichten überregional mit der Überschrift aufmachen, „Ötigheim hat den Vogel abgeschossen“, in diesem 3.500-Seelendorf müsse es „ein Nest von Lautenisten und Gitarristen“ geben. Beim Bundesentscheid in Hannover hatten wir drei 1. Preise erhalten, und zwar mit Solomandoline, mit einem Trio aus 2 Mandolinen und Cembalo (beide von mir vorbereitet) und mit einem Zupfquartett, das Ulrike Scholtes-Kessler – eine Ochi-Schülerin aus saarländischer Zeit – vorbereitet hatte. In meiner Erinnerung sind diese Erfolge mit Takashis inspirierendem Wirken als Musiker und als Pädagoge, als den wir ihn ja ein Jahr zuvor in Bad Boll kennen lernen durften und dem wir in der badischen Provinz mit unseren Mitteln nachzueifern versuchten, eigentümlich verbunden.

Die Mannheimer Ära ab 1977

Takashis pädagogische Tätigkeit als Mandolinenlehrer in den ersten anderthalb Jahrzehnten in Deutschland umfasste insbesondere den Einsatz an zahlreichen Musikschulen im Saarland und gastweise bei Lehrgängen in anderen Bundesländern sowie an der Bundesakademie in Trossingen. Zu einer Festanstellung kam es jedoch erst im April 1977 in Mannheim, als er auf Vermittlung von Prof. Helmut Funk, meinem lieben Amtsvorgänger beim BDZ-Baden, die Stelle eines Fachgruppenleiters für Zupfinstrumente an der Städtischen Musikschule Mannheim übernahm. Was auch das Unterrichten in Gitarre umfasste. Wenige Jahre vorher war sein saarländischer Schüler Wolfgang Bast an die Städtische Musikschule Lahr gewechselt, der außerdem bereits 1971 auf seine Empfehlung hin Leiter des Badischen Zupforchesters geworden war; 1979 kam Arnold Sesterheim an die Städtische Musikschule Rastatt, die er heute auch leitet – seit den 1970er Jahren gibt es eine mit diesen Namen verbundene fruchtbare und anhaltende „saarländisch-ochianische“ Ausstrahlung an den Oberrhein.

Ochi verlegte seinen Familienwohnsitz von Saarlouis dauerhaft in den Mannheimer Raum. Sein damaliger Meisterschüler Klaus Wuckelt hatte es nun zum Unterricht und gemeinsamen Musizieren mit dem Ehepaar Ochi nicht mehr so weit. Später war er mit Ochis bis in die letzten Jahre Ensemblepartner bei Tourneen, vorwiegend nach Japan. Wuckelt spielte auch eine Reihe von Takashis Kompositionen auf CD‘s ein – insbesondere dessen herausragendes Se’i-Doh in einer überaus eindrucksvollen Interpretation.

 

Bald folgte der Ruf als Lehrbeauftragter für Mandoline im Nebenfach an die Hochschule für Musik in Heidelberg-Mannheim, wo bei ihm u.a. Sonja Wiedemer und Birgit Wendel studierten. „Sonja“ liefert mir hier ein Stichwort in Sachen „Mandoline beim Abiturleistungskurs Musik“, der für sie 1981 bevorstand und auf den sie sich zunächst auf ihrem Zweitinstrument Violine vorbereiten musste – da Mandoline nicht zugelassen war: Das zuständige Oberschulamt Freiburg hatte die Mandoline abgelehnt. Erst auf unsere Beschwerde unter Vorlage von spezifischen Unterlagen hin wurde diese Ablehnung durch das Kultusministerium dauerhaft aufgehoben. Sonja und Birgit sind heute beide viel gefragte Musikerinnen, Musiklehrerinnen an Musikschulen‚ BDZ-Lehrgangsleiterinnen, Dirigentinnen und Leistungsträgerinnen im BZO.

War es bereits in den 1970ern zu mehreren erfolgreichen Mitwirkungen Takashis bei Konzerten des BZO unter der Leitung von Wolfgang Bast gekommen, schloss sich in den 1980er Jahren bei der Einspielung der achtteiligen LP-Reihe Meister der Zupfmusik bei den Folgen über Heinrich Konietzny und Siegfried Behrend eine mehrfache solistische Beteiligung an. Außerdem musizierte das Trio Ochi-Ochi-Krumbach bei den hiesigen Landesmusikfesten, wie z.B. Zupfmusikfest Baden ’80 im Schloss Ettlingen im Festkonzert des BZO, das vom SDR Stuttgart mitgeschnitten und mehrfach ausgestrahlt wurde, ebenso dann beim Zupfmusikfest Baden ’84 im Kurhaus Baden-Baden.

Um die pädagogischen Fähigkeiten Takashis in weiterem Maße für uns zu gewinnen‚ richtete der BDZ-Landesverband einen fünftägigen Meisterkurs für Mandoline und Gitarre unter seiner Leitung ein, der von 1982 bis 1989 jährlich wiederholt wurde. Die Dozenten waren neben Takashi und Silvia Ochi in wechselnden Zusammenstellungen Prof. Dr. Mario Sicca, Prof. Tadashi Sasaki und Wilhelm Krumbach. Letzterer übernahm mehrfach die Aufgabe, am Ende des Lehrgangs einen Vortrag über die Historie der Zupfinstrumente zu halten, den er am Cembalo durch Beispiele illustrierte. Auch Interpretationsvergleiche mit Tonbandbeispielen aus der unerschöpflichen Schallplattensammlung Manfred Herzogs, der den Meisterkurs organisierte, schlossen sich an. Für etliche Jahre konnte so der hiesige BDZ ein exquisites Angebot machen, das von zahlreichen Talenten, z.B. auch von Jugend musiziert-Teilnehmern, aus dem ganzen Bundesgebiet genutzt wurde.

Durch Ochis Wirken als Mandolinen- und Gitarrenlehrer an der Musikschule Mannheim entstanden regelmäßig Zupfensembles‚ die bei den alle drei Jahre stattfindenden baden-württembergischen Zupfgruppenwettbewerben bis hin zum Deutschen Orchesterwettbewerb in aller Regel vordere Plätze errangen. Besonders die Mandolinata Mannheim profitierte von seinem Einsatz – zu nennen sind etwa seine Schüler Christian oder Ane-Mari Randl. 1985 gründeten Ochis mit einigen ausgewählten Schülern das Kurpfälzische Zupfensemble. Innerhalb der Mandolinata Mannheim formte Takashi später das Mezzacapo-Zupfquartett‚ das er von der Mandola aus leitete. Während er sich im Orchester in den letzten Jahren gelegentlich als Mandoloncello-Spieler zur Verfügung stellte – unter der Leitung seiner früheren Schülerin Sonja Wiedemer.

 

Letzte Begegnungen

Beim eurofestival zupfmusik 2010 vom 3.-6. Juni in Bruchsal kam es für viele Zupfmusikfreunde aus aller Welt zu den letzten Begegnungen mit Takashi. Mit enormem Engagement betreute er die japanischen Ensembles bei ihrer Mitwirkung dort und organisierte ihnen im Bundesgebiet weitere Auftritte. So weilte das Kataoka-Ensemble aus Tokio, das durch seine Vermittlung übrigens bereits beim Zupfmusikfest Baden 2000 in Rastatt zu Gast gewesen war, im Anschluss an das Bruchsaler Festival noch einige Tage in Jechtingen am Kaiserstuhl. Beim Abendkonzert am 6. Juni hatte ich dort die Aufgabe, dem langjährigen ehemaligen Vorsitzenden des dortigen Vereins, Alexander Burkhart, den Ehrenbrief des BDZ zu überreichen. Ich bin heute sehr glücklich, dass ich bei dieser Laudatio auch Takashi als Gastdirigenten des Kataoka-Ensembles begrüßen und die Gelegenheit nutzen konnte, im Beisein seiner Landsleute auf sein beispielgebendes und bereits vier Jahrzehnte andauerndes Wirken in Deutschland besonders hinzuweisen. Beim anschließenden Beisammensein merkte ich ihm – bei aller ihm eigenen Bescheidenheit – doch an, dass ihn diese anerkennenden Worte erfreut hatten. Ein letztes „Kampei“ mit badischem Gewürztraminer schloss sich diesem Treffen an.

 

Ende November letzten Jahres hatte die Mandolinata Mannheim zu ihrem 90sten Bestehen Konzerte in Heidelberg und in Mannheim geplant, bei denen Takashi das Mandoloncello übernehmen wollte. Als er Wochen vorher aus zeitlichen Engpässen das Instrument für einen anderen Spieler abgab‚ sah er, wie Brigitte Randl berichtet, zwar nicht so vital wie sonst aus – der Herzinfarkt am 14. November war dennoch für alle eine große, traurige Überraschung. Ein überaus arbeits- wie ebenso erfolgreiches Leben ging zu Ende, in dem er uns unvergessliche künstlerische Momente und persönliche Begegnungen geschenkt hat. Wir alle werden Takashi ein bleibendes Gedenken bewahren, er wird stets in unserem Herz bleiben.

Alois Becker
Ehrenpräsident des BDZ‚
LV Baden-Württemberg

Auszeichnungen

  • Theodor-Ritter-Plakete des BDZ, Verleihung am 31. Juli 1981 in Japan im Rahmen einer Konzertreise des Deutschen Zupforchesters
  • Ehrenmitglied des BZVS (Saarland), Ernennung am 24. Oktober 2004 in der Landesakademie Ottenweiler
  • Ehrenmitglied des BDZ, Ernennung beim euromusikfestival zupfmusik ’06 vom 25.-28. Mai 2006 in Bamberg

Literatur zu Takashi Ochi

  • Rüdiger Grambow, Takashi Ochi zum 60. Geburtstag, in Zupfmusikmagazin 2/1995, S. 90.
  • Edwin Mertes, Se‘i doh – Ruhe und Bewegung. Dem Mandolinenmeister Takashi Ochi zum 70. Geburtstag, in Concertino 1/2005, S. 18-22.
  • Helmut Aichele, Im Gespräch mit Takashi Ochi, in Zupfer-Kurier 2/2007, S. 3-10.
  • Michael Kubik, Takashi Ochi zum 75. Geburtstag. Eine persönliche Würdigung, in Concertino 1/2010, S. 12f.

 

 
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